Künstliche Intelligenz im Finanzbereich

Künstliche Intelligenz im Finanzbereich

by Marc T. PIRA

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Megatrend, der auch in der Finanzbranche um sich greift. Er ist Chance und Risiko zugleich: Die KI eröffnet neue Einfallstore für Hacker, gilt aber zugleich als Treiber des digitalen Wandels. CFOs profitieren von Zeit- und Effizienzgewinnen. Sie hoffen, dass die KI die Rolle der Roboter einnimmt, die im 20. Jahrhundert die industrielle Produktion revolutionierten. Clevere CFOs, die sich Wettbewerbsvorteile verschaffen möchten, setzen auf innovative Ideen und die Integration von KI.

Die Bank of America prescht vor

CFOs kämpfen mit vielen Problemen. Künstliche Intelligenz kann diese Probleme lösen und bestehende Prozesse verbessern. Ein Vorreiter beim Einsatz Künstlicher Intelligenz ist die Bank of America Merrill Lynch (BofAML). Große Unternehmen kämpfen mit der Zuordnung von Zahlungseingängen. Sie wissen oft nicht, welche Zahlungen und Forderungen korrelieren. „Mitarbeiter müssen bis zu fünf Prozent der Transaktionen manuell zuordnen“, so Alwin Harkema von der Bank of America Merrill Lynch. Diese manuelle Zuordnung kostet Zeit und Geld. Die Lösung: Die BofAML kooperiert mit dem Fintech „High Radius“. Jeder Kunde erhält eine eigene, virtuelle IBAN. Eine Software wertet die Informationen aus und automatisiert den Abgleich. Das Resultat: Eine manuelle Zuordnung von Zahlungseingängen ist kaum mehr notwendig. Die Bank of America Merrill Lynch steigerte ihre Gewinne.

Beim Einsatz von KI sind sich die Großen einig

Finanzmanager erhoffen sich durch Künstliche Intelligenz Wettbewerbsvorteile. Digitale Automatisierungshelfer gibt es bereits. Moderne Software trägt Daten zusammen und bereitet sie für Berichte und Prognosen auf. Computer können große Datenmengen (Big Data) schnell, effizient und faktenbasiert analysieren. Ermüdungs- und Motivationsprobleme gibt es bei Maschinen nicht. Deshalb wird die Künstliche Intelligenz wohl bald die Hoheit in der Finanzabteilung übernehmen. Bisher sind Aktien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz noch selten. Allerdings: Etliche Großkonzerne haben den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu einem Schwerpunkt ihrer Unternehmensentwicklung erklärt – unter anderem Microsoft, Google und Facebook. Der Trend ist eindeutig.

Treasury Robotics: Digitale Helfer für menschliche Kollegen

Im Treasury werden selbstlernende Bots schon bald zum Alltag gehören. Sie unterstützen ihre menschlichen Kollegen bei komplexen Aufgaben. Ihr Tätigkeitsfeld: Sie untersuchen Big Data und erkennen vordefinierte Zusammenhänge und Muster. Sie ordnen offene Forderungen zu und spüren verdächtige Positionen auf. Zukünftig werten sie Big Data aus und begutachten Währungs- und Zinsrisiken. Die Helfer schlagen automatisch Absicherungsstrategien vor und empfehlen ihren menschlichen Vorgesetzten bestimmte Handlungen.

KI als risikobehaftete Chance?

Der Megatrend Digitalisierung bringt so manches Problem mit sich. Die meisten Finanzmitarbeiter haben im IT-Bereich zu wenig Know-how. Eine digitale Revolution in der Finanzorganisation erfordert jedoch die richtigen Kompetenzen. Ein weiteres Problem: IT-Sicherheit. Die Implementierung neuer Technologien öffnet Hackern Tür und Tor. Möchte ein Unternehmen Künstliche Intelligenz einsetzen, dann muss das System ausgereift sein. Ansonsten können Hacker wertvolle Daten ausspähen. Die Folge: Imageschäden, Bußgelder wegen Verletzung des Datenschutzes und wirtschaftliche Millionenschäden. CFOs müssen darauf achten, dass sie die Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einhalten. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz birgt somit viele Risiken, die CFOs begrenzen und in gewisser Weise ausmerzen müssen. Eine vollumfängliche Flucht vor der Künstlichen Intelligenz lohnt sich nicht, führt sie doch zugleich zu einem Verlust der Chancen. Wettbewerbsvorteile und steigende Gewinne sind nur zwei Vorteile von Künstlicher Intelligenz. Legen Unternehmen heute Wert auf KI, profitieren sie morgen von einem Fundament für erstaunliche Effizienzsteigerungen.

KI in der Finanzbranche: Entscheiden wie ein Roboter

Digitale Berater sind schon heute in der Vermögensverwaltung vertreten. Sie sammeln Daten und empfehlen Anlagen. Der Vorteil: Sie kennen keine Selbstüberschätzung, keine Gier, Angst oder Bequemlichkeit. Robo Advisors treffen ihre Anlageentscheidung nüchtern und neutral. Anleger profitieren von einer maschinellen Neutralität, die ihnen zu bestmöglichen Renditen verhilft. Diese Fähigkeiten der Künstlichen Intelligenz sind für die Finanzbranche ausschlaggebend. CFOs brauchen nüchterne und klare Entscheidungen, die auf der vorhandenen Datenlage aufbauen. Die größte Fehlerquelle ist nach wie vor der Mensch.

Die KI verändert Jobs

Künstliche Intelligenz öffnet die Türen zu vollkommen neuen Betriebs- und Geschäftsmodellen. Sie läutet neue Wettbewerbsdynamiken ein und verändert das personelle Umfeld. KI wird den Menschen nicht ersetzen, aber ihn stark unterstützen. In den 80er Jahren kosteten Computer hunderttausende von Jobs. Die Digitalisierung und der Einsatz von KI werden wohl gleichfalls zum Verlust von Arbeitsplätzen führen. Allerdings: Die KI-Algorithmen erfordern hochqualifizierte Mitarbeiter. Der Digitalisierungstrend führt deshalb nicht nur zum Verlust von Jobs, sondern schafft zugleich neue Stellen. CFOs wird es schwerfallen, diese Stellen mit geeignetem Personal zu besetzen. Künstliche Intelligenzkann somit intellektuelle Aufgaben zu einem großen Teil automatisieren und die den Finanzbereich in gewisser Weise „umkrempeln“. Welche Auswirkungen sich hieraus genau ergeben, ist Stand heute reine Spekulation. Es lohnt sich jedoch, weitere Überlegungen frühzeitig anzustellen.